Paul Wunderlich

Malerei , Skulptur, Lithografie

PAUL WUNDERLICH

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Hamburg/Eberswalde – Der Maler und Grafiker Paul Wunderlich ist tot. Wie die Paul-Wunderlich-Stiftung mitteilte, starb der Künstler in der Nacht zum Montag an seinem Zweitwohnsitz in der Provence an einem Gehirnschlag. Er wurde 83 Jahre alt.

Wunderlichs Themen waren Eros und Tod, Ekstase und Zerfall. Ironie und Skepsis prägten seinen künstlerischen Blick. Ein Skandal hatte ihn 1960 berühmt gemacht: Die Bilder seines erotischen Lithografie-Zyklus „qui s’explique“ wurden von der Staatsanwaltschaft als unzüchtig betrachtet und beschlagnahmt. Das Museum of Modern Art in New York kaufte jedoch nicht nur den umstrittenen Zyklus, sondern auch die Folge „20. Juli 1944“, die am Galgen hängende, verstümmelte Körper zeigt und damit an das gescheiterte Hitler-Attentat und dessen Folgen erinnert.
Kritiker warfen Wunderlich, der auch Möbel, Leuchter, Porzellan und Schmuck entworfen hat, die Kommerzialisierung der Kunst vor. „Ich beging die Todsünde, die Grenzen zwischen Kunst und Kunstgewerbe zu überschreiten“, sagte Wunderlich einmal. „Ich hätte mich auf den Lorbeeren meines lithografischen Werks ausruhen können, doch das war mir nicht genug.“

Trotz der Kritik: Wunderlich wurde als einziger deutscher Künstler in die französische Académie des Beaux Arts aufgenommen. In seiner Geburtsstadt Eberswalde bei Berlin trägt außerdem seit 2007 ein Verwaltungszentrum seinen Namen, dort sind auch einige seiner Werke zu sehen. In Wunderlichs Wahlheimat Hamburg hingegen hat es bis heute keine Einzelausstellung mit Exponaten des Künstlers gegeben.

In der Hansestadt lernte er Ende der Vierziger an der Kunsthochschule. Bereits 1951 wurde er mit der Leitung der Druckwerkstatt betraut und druckte unter anderem für Oskar Kokoschka und Emil Nolde. Nach einem Aufenthalt in Paris kehrte Wunderlich 1963 als Professor an die Schule zurück. Wenige Jahre später gab er seine Professur auf und lebte seitdem als freier Künstler in Südfrankreich und Hamburg, gemeinsam mit seiner Frau, der Fotografin Karin Székessy.

Nach Angaben der Stiftung soll Wunderlich in der Provence seine letzte Ruhe finden.